Platon – Höhlengleichnis

Geschrieben am 10. April 2008 um 16:19 Uhr | Abgelegt unter Erkenntnistheorie, Philosophie

Am 30.08.2007 habe ich für meinen Philosophie-Leistungskurs Platons Höhlengleichnis zunächst zusammengefasst (die Bildebene) und den Text dann als Verdeutlichung der Ideenlehre Platons interpretiert. Da ich beim Abtippen besser Lernen kann und Platon als Abiturvorgabe gilt (und mein Text auch gut bewertet wurde), werde ich ihn hier für Interessierte veröffentlichen.

Zusammenfassung der Inhalts (Bildebene) von Platons Höhlengleichnis

Platons Höhlengleichnis ist als Dialog verfasst, in dem Sokrates zu Glaukon spricht. Sokrates entwickelt das Bild einer Höhle, in der die Menschen so gefesselt sitzen, dass sie nur geradeaus sehen können. Hinter den Menschen brennt ein Feuer und zwischen Feuer und Menschen verläuft ein Weg entlang einer Mauer. An der Mauer tragen Menschen, gleich Puppenspielern, Gegenstände und Figuren vorbei. Diese Gegenstände und Figuren werfen dabei durch den Schein des Feuers Schatten an diejenige Höhlenwand, auf die die gefesselten Menschen blicken. Die Schatten werden von den Gefesselten nun, da sie die schattenwerfenden Gegenstände und auch sich gegenseitig nicht sehen können, für wahr und die Urheber der Stimmen der ‘Puppenspieler’ gehalten.

Käme einer der Menschen frei und würde die Gegenstände erblicken, würde er zunächst noch die Schatten als das Wirkliche bezeichnen. Das Licht würde ihn blenden, und nur langsam könnte er sich daran gewöhnen und das Wahre erblicken. Nach dem Aufstieg aus der Höhle erkennt er die Sonne selbst und was ihr die Menschen verdanken: sie ist Quelle und Ursprung alles Werdens und Seins. Nach dieser Erkenntnis sehnt er sich nicht mehr in die Höhle zurück.

Bei einer Rückkehr in die Höhle jedoch würde er sich lächerlich machen bei dem Versuch, die Gefangenen über die wahre Natur der Schatten aufzuklären und beim Versuch, die anderen zu entfesseln, würde er von diesen umgebracht.

An dieser Stelle wird das Höhlengleichnis von Sokrates aufgelöst. Er setzt die menschliche Wahrnehmungswelt mit der Höhle gleich, den Lichtschein des Feuers mit der Kraft der Sonne (‘alethia‘: Wahrheit), den Aufstieg nach oben aus der Höhle heraus mit der Erhebung der Seele in das Reich des nur geistig Erkennbaren und schließlich die Sonne selbst mit der Idee des Guten (‘agathon‘: das Vollkommene).

Weiter definiert er zwei Arten der Verwirrung der Seele: einmal die, die auftritt, wenn einer von der Finsternis ins Licht und einmal die, wenn einer von dem Licht in die Finsternis tritt.

Abschließend definiert er die Bildung als Kunst, den Blick des Menschen vom Werdenden (Veränderlichen) auf das Seiende (Unveränderliche, das Gute) zu richten.

Interpretation des Höhlengleichnis als Verdeutlichung der Ideenlehre Platons

Im Höhlengleichnis verdeutlicht Platon seine Ideenlehre. So stehen die Schatten (also die Abbilder der Gegenstände, die von den Menschen entlang der Mauer getragen werden), die an die Höhlenwand geworfen werden, für die veränderlichen Einzeldinge. Die von den ‘Puppenspielern’ getragenen Gegenstände wiederum stehen für die unveränderlichen Ideen, also die Urbilder. Die Einzeldinge sind durch Anteilhabe (‘methexis‘) mit den Ideen verbunden und diese ihrerseits wird durch den Schattenwurf verdeutlicht. Die Ähnlichkeit der Gegenstände mit ihren Schattenbilder erklärt den Begriff der ‘mimesis‘ (Nachahmung, Ähnlichkeit).

Auch der Ideenhimmel findet sich durch das Gebiet außerhalb der Höhle repräsentiert, in dem die Sonne scheint, die hier für die Idee des Guten (‘agaton‘) steht und der nur durch den Verstand annähernd erkannt werden kann. Das Erkennen wird dabei durch den Aufstieg und die anfängliche Blendung durch das Licht ausgedrückt.

Anmerkung zu diesem Artikel über Platons Höhlengleichnis

Ich garantiere nicht für die Richtigkeit meines Textes. Anregungen, Verbesserungen und Kritik sind immer willkommen!

Platons Höhlengleichnis wird in diesem Artikel nicht komplett interpretiert, wie schon in den Diskussionen angemerkt. Ich beziehe mich nur auf die Bildebene von Platons Höhlengleichnis, was auch die Aufgabenstellung in meinem Philosophie-Leistungskurs war. Dieser Artikel ist also nur teilweise hilfreich, wenn eine Gesamtinterpretation von Platons Höhlengleichnis gewünscht ist. Aber er bietet einen guten Einstieg.

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14 Kommentare:
oliver schrieb am 11.04.2008 um 18:21 Uhr:

hallo m.!

bin nun schon seit wochen darüber sophies welt zu lesen.
…wochen :/
im kapitel “der weg aus der finsternis der höhle” (s. 110 und 111) wird herrn platons höhlengleichnis ähnlich beschrieben, bischen romanhafter vielleicht.

deine interpretation ist KLASSE :D
…ein fachartikel zum roman (für mich).

Monika schrieb am 17.04.2008 um 10:43 Uhr:

Sehr schön beschrieben ;-)Kompliment!

Marcus schrieb am 28.05.2008 um 23:12 Uhr:

An Anna:

Ist auch nicht fies gemeint, aber hast Du es gelesen und auch verstanden? :)

Im Ernst: was genau willst Du mir sagen, was genau ist dir unklar? Deine Anmerkung verstehe ich nicht ganz…

anna schrieb am 28.05.2008 um 22:33 Uhr:

ist nicht fieß gemeint, aber hast du platons höhlengleichnis überhaupt zuende gelesen? wenn deine interpretation wahr wäre und platon (o. sokrates) dies damit sagen wollte, dann wieso die anderen dinge? wie zB.
Zeile 215: “wie nun? scheint es dir verwunderlich wenn einer der von der schau des göttlichen her in das menschliche jammertal herabkommt, ungeschickt ist und sich recht lächerlich ausnimmt?…”
Was ist mit dem schon vorher erleuchteten?

juergen schrieb am 30.09.2008 um 15:37 Uhr:

das ist viel zu schlicht interpretiert! es geht um Energiezustände, die pendeln wie das elektron, aus der die Elektronenwolke mensch besteht. sie ändern nur ihre bewegungsrichtung der erinnerungen = energien. vgl auch die manichäische sehweise …

Marcus schrieb am 30.09.2008 um 16:08 Uhr:

Kritik ist gut, unbelegte und unkonstruktive Kritik jedoch etwas unnütz, weil ich dadurch nichts lernen und gegebenenfalls nachbessern kann.

Jedoch erscheint mir deine Interpretation von Platons Höhlengleichnis sehr weit gefasst und vor allem als sich nicht in den historischen Kontext einfügend. Schließlich interpretierst Du, wenn Du eine manichäische Sichtweise mit einbeziehst, mit einem Abstand von einigen hundert Jahren. Das ist natürlich kein Fehler, jedoch auch nicht das, was meine Interpretation will: Platons Höhlengleichnis nach Platons Ideenlehre zu interpretieren.

Interpretierst Du es in manichäischer Sichtweise, so läufst Du gleichzeitig Gefahr, etwas hineinzuinterpretieren, das so gar nicht enthalten sein könnte, weil Platon noch nichts von Manichäismus wissen konnte. Es ist eher umgekehrt so, dass der Manichäismus von platonischen Ideen mit geprägt wurde, weshalb es sinnvoller wäre, manichäistische Texte mit Hilfe von Platons Dialogen zu interpretieren.

Alexandra schrieb am 05.11.2008 um 07:31 Uhr:

Ich will keine große Anmerkung geben oder irgendwie großartige Kritik, sondern nur n kliiitzekleinen Kommentar ;p
Ich schreib bald ne Wun Klausur, und war in den 4 Std., in denen wir den Text von Platon durchgearbeitet haben, nicht da.. Ich wusste also NICHTS..
Und ich finde.. also _mir_ persönlich, hat jetzt deine Interpretation und Zusammenfassung echt geholfen.. Ich versteh Platon nicht so wirklich, deswegen hab ich mal geguckt was es im Internet so gibt, und deswegen Danke an dich, das du deinen Text reingestellt hast… Ich find es ist echt gut gelungen, weil ich den Text halt dadurch verstanden habe… =)

Fabian schrieb am 27.01.2009 um 22:23 Uhr:

Hmm, mir scheint, dass manche sich nicht mit dem Original befasst haben. Selber zu übersetzen macht den ganzen Dialog nochmal viel klarer.
Aber das ich anmerken!
AGATON ist zwar rein das Gute von der Semantik her, aber nous und phronhesis (he für etha) stehen hier für die Idee des Guten also die Sonne
Und das Erkennen ist eben die Anamnesis also die Wiedererkennung. Denn jeder Mensch hat die Idee des Guten in sich nur muss man sie erst wiedererkennen = Aufstieg
AJA Anspielungen auf Sokrates nicht zu vergessen!!! Tis (irgendwer) der die Gefangenen an den Bereich des Denkens führt!
Und das Ende, da muss ich Anna leider zustimmen, denn auch hier wird auf Sokrates anspielen. Die Gefangenen wollen ja schließlich jeden weiteren der versucht sie ans Tageslich zu führen umbringen! (Sokrates 399 v. Chr. und so)
Also du solltest dir das Höhlengleichnis noch viel genauer durchlesen!
Und in dich selbst gehen und drüber nachdenken wie zeitlos Platon ist.

Ich hoffe das war konstruktiv genug!

MFG

Fabian schrieb am 27.01.2009 um 22:27 Uhr:

Mein erster Kommentar war sehr negativ. Ich habe ganz vergessen, dass du wirklich sehr viel Gutes auch geschrieben, hast und auch Fachbegriffe eben benutzt hast! Also eine klare Linie ist sicher zu erkennen, es fehlen nur ein paar große Kleinigkeiten!

Nadine schrieb am 24.09.2009 um 15:58 Uhr:

danke das hat mir geholfen. wie reden seit wochen in werte und normen über dieses Gleichnis und ich hatte nie einen Plan worum es da geht :D

:) schrieb am 28.09.2009 um 23:49 Uhr:

Hi Marcus,

deine Zusammenfassung von Platons Höhengleichnis und die Interpretation sind präzise und vor allem verständlich zusammengefasst. Ich habe bisher diverse Zusammenfassungen gelesen und natürlich auch den Originaltext. Um den Text deuten und verstehen zu können, muss man ihn auch wirklich gelesen haben und das evtl. auch mehrmals ;O)! Selbst dann, sind verschiedene Interpretationen möglich…! Zum Lernen für meine Prüfung bietet sich deine knappe Zusammenfassung positiv an …Hierfür meinen Dank … – mach weiter so…

steffen schrieb am 12.11.2009 um 14:57 Uhr:

also ich habe ein philosophie referat am laufe und muss echt sagen ich finde die kurze zusammenfassung in kombination mit der erlauterung gelungen;D danke viel mals( stört euch net an groß/klein + rechtschreibung)

John schrieb am 01.12.2009 um 21:03 Uhr:

Die Differenz zwischen Ontologie und Logik hätte erläutert werden müssen, aber an sich ok

Marcus schrieb am 02.12.2009 um 18:54 Uhr:

@John: mir leuchtet momentan nicht ganz ein, warum die Differenz zwischen Ontologie und Logik im Kontext von Platons Höhelgleichnis erläutert werden muss. Und überhaupt erscheint mir diese Kombination etwas seltsam.
Zur Ontologischen Differenz Heideggers wäre zudem wohl eher im Zusammenhang mit Aristoteles etwas zu sagen.
Ein wenig mehr Erläuterung täte hier gut.

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