Zeitreisen
Als großer Hörspielfan habe ich mir den ersten Teil (nennt sich Part 1, ist aber eigentlich der zweite Teil, da es noch Part 0 gibt) eines neuen Hörspiels von Maritim namens Danger besorgt. Von Maritim sind übrigens die Sherlock-Holmes-Hörspiele sehr zu empfehlen. Dies aber nur am Rande.
Kommen wir zu Danger – Part 1: Exit US. Der Inhalt ist schnell umrissen: eine in Deutschland ansässige amerikanische Firma namens Exit US bietet für im wahrsten Sinne des Wortes Lebensmüde (Menschen, die sich umbringen wollen) ein tolles Programm an – die Kunden der Firma können sich eine Katastrophe aus der Vergangenheit aus einem Katalog auswählen (Untergang der Titanic, Vulkanausbrüche, der große Brand von London, etc.) und werden dann mit einer Zeitmaschine in die gewünschte Katastrophe geschickt, wo sie dann gut unterhalten und adrenalingeschwängert ableben können.
Die Ziele zweier Kunden werden dann aus versehen vertauscht – Kunde A wollte zum großen Brand von London, während Kunde B den Sturm auf die Normandie nicht überleben wollte. Der Kunde, der fälschlicherweise mit einer Soldatenuniform aus dem Zweiten Weltkrieg im London von 1666 landet, verliebt sich schließlich dort und kämpft um sein Überleben.
Um den Inhalt soll es hier jedoch gar nicht so sehr gehen und auch eine Kritik an diesem soliden und durchaus recht gut gemachten Hörspiel beabsichtige ich nicht. Vielmehr geht es mir um einen Denkfehler, der sich da meines Erachtens bei der Konzeption der Geschichte eingeschlichen hat. Nehmen wir als Beispiel das Szenario des Sturms auf die Normandie: hier kann man sich in eines der ersten Boote schicken lassen, dessen Insassen allesamt unter Garantie nicht überleben. Der Kunde bekommt von der Firma eine passende Uniform und ein Gewehr (das nicht geladen ist, damit er nicht jemanden tötet, was ja den Lauf der Geschichte ändern würde) und wird dann so geschickt im Schlachtgetümmel auf das Boot gebeamt, dass das plötzliche Erscheinen den anderen Insassen nicht auffällt. So weit, so gut. Nun ist es so, dass es bei dieser Firma einen Katalog gibt, aus dem man sich die gewünschte Katastrophe aussuchen kann. Es kann also durchaus sein, dass pro Woche zwei oder drei Kunden die Normandie als Ziel wählen. Im Monat also etwa zehn bis zwölf. Im Jahr vielleicht um die hundert.
Halten wir einen Moment inne. Und rufen wir uns ins Gedächtnis – oder besser gesagt, ich betone: die Kunden werden immer in ein und dasselbe Boot geschickt — zum exaten selben Zeitpunkt. Wo liegt der Denkfehler?
Meines Erachtens kann ein Szenario wie das des Bootes vor der Normandie nur einmal an einen Kunden verkauft werden – sonst würde das Boot irgendwann von Kunden nur so überfüllt sein. Auch bei einem Vulkanausbruch würden sich nach einigen Monaten Tätigkeit der Firma viele viele Kunden am Fuße des Vulkans tummeln. Dort würde das vielleicht nicht so auffallen, aber wenn auf der Titanic auf dem Unterdeck von einer Sekunde auf die andere plötzlich fünfzig Leute auftauchen, dann wäre das wohl doch etwas seltsam.
Im Grunde kann also gesagt werden, dass bestimmt fast alle Katastrophen nur einmal (oder zumindest nur wenige Male) verkauft werden können – je nachdem, wie groß das Areal der Katastrophe ist. Die Firma würde also schon nach relativ kurzer Zeit leere Kataloge haben und schließen müssen.
Eine schöne Idee ist es allerdings schon irgendwie. Diese dekadente Art des Selbstmords. Allein praktikabel (auch wenn man die technischen und physikalischen Möglichkeiten zu Zeitreisen voraussetzt) wäre sie zumindest im großen Rahmen nicht.



Ich suche schon lange dieses Hörspiel, aber ich kann es nicht finden. Ich habe schon in vielen verschiedenen Läden versucht an dieses Hörspiel ranzukommen, aber niemand kann es mir besorgen.
Jetzt habe ich auch schon im Internet alles durchgesucht und ich wurde wieder nicht fündig. Ich wollte dich jetzt einfach einmal fragen, wo du denn das Hörspiel her hast? Kannst du mir das sagen? Vielleicht komme ich dann an das Hörspiel. Ich habe nämlich schon so viel davon gehört, dass ich es selbst gerne anhören möchte.
Daran erkennt man dass eine Geschichte gut war, wenn man sie noch hinterher weiterspinnt. Jetzt weiß ich auch warum auf der Titanic so wenig Menschen gerettet wurden, die wollten alle sterben…. ;-)(kleiner Scherz) Die Geschichte erinnert mich auch sehr an den Film “The Time Shifters” mit Casper Van Dien.
Ich höre nicht sehr oft Hörspiel. Zumindest nicht solche Sachen. Bei mir laufen dann lieber Benjamin Blümchen usw. denn meine Kinder lieben diese Geschichten, da bleibt für mich kaum Zeit so was anzuhören. Dennoch möchte ich sagen, dass ich diesen Blog hier sehr interessant finde und ich hoffe, dass ich vielleicht auch einmal so was anhören darf.
@Reinhold: Können sie mir sagen, um was es in diesem Film geht? Ich kenne diesen Film nicht und wäre schon etwas neugierig darauf.
Die Idee, dass man nicht nur Kinderhörspiel macht, sondern auch solche Sachen finde ich ja schon grandios. Aber dann auch noch wirklich so gute klasse Hörspielkassetten zu produzieren, das dachte ich nicht. Ich habe leider derzeit für solche Sachen überhaupt keine Zeit aber ich würde mir gerne die Zeit wieder nehmen und einfach mal wieder etwas für mich machen. Ich glaube, dass ich es auch tun werde. Ich wollte mich nur für den Anstoß und für die Motivation, die ich durch diesen Blog bekommen habe bedanken.