Ein Tag in Prag
Eine Stadt an einem einzigen Tag besichtigen zu wollen, kann niemals eine gute Idee sein. Für eine Stadt dann noch nicht einmal einen ganzen Tag, sondern nur ein paar Stunden Zeit zu haben, rächt sich wohl immer. Aber ich glaube, für Prag trifft das ganz besonders zu.
Wir waren dort, fuhren von Franken aus um acht Uhr morgens los und waren zur Mittagszeit dort. Abends um acht fuhren wir wieder – sieben Stunden Zeit also für Prag. Ich glaube, ich hatte schon leichte Anflüge des Stendhal Syndroms. Schon kurz nach dem Schweinebraten mit Kraut und böhmischen Knödeln haben mich die Eindrücke (und leider auch die Massen an Touristen) überrannt. Irgendwie waren die ganzen schönen Häuser und Plätze zuviel, das Auge wusste nicht mehr wohin und der doch immer wieder präsente Zeitdruck (hier noch hin und dort auch und und) machte es nicht besser.
Wir liefen von der Karlsgasse zum alten jüdischen Friedhof, den wir aber wegen des großen Andrangs und des Eintrittsgeldes leider nicht besuchten. Von dort ging es über die Karlsbrücke, auf der zu allem Übel auch noch gebaut wurde, was den Weg für die Menschenströme noch mehr verengte. Dann hinauf zum Hradschin, Absinth-Eis als Stärkung und eine gute Aussicht (siehe Panorama oben) als Belohnung. Weiter gings zum Kloster, dessen Bibliothek ich gern gesehen hätte, aber wir waren knapp zehn Minuten zu spät – schon geschlossen. Wieder den Berg hinab, durch kleine Gassen geschlendert, die Moldau überquert und den danach folgenden Ausflug in modernere Gefielde genossen. Irgendwie tat es gut, plötzlich in einer Fußgängerzone zu stehen, wo nicht mehr ganz so viele Touristen waren und wir den Eindruck hatten, die Leute gingen ihren normalen Tätigkeiten nach. Gänzlich unbeeindruckt von all dem Prunk und der Kultur um sie herum. Ein Aufatmen in einer gewissen Art von vermisster Normalität also, die keinen langen Schatten bis in wer weiß was für Vergangenheiten wirft.
Gänzlich übersättigt gab es dann nochmal ein Essen mit leckerem tschechischen Bier und dann die Heimfahrt über die nächtlichen Autobahnen. Ich möchte nicht sagen, dass ich niemals mehr für einen Tag in eine Stadt fahren werde, aber: Prag im Sommer und nur für kurze Zeit – nie wieder! Wie schön muss es dagegen – wie viele sagen – im Herbst, besser im Spätherbst, sein, wenn weniger Touristen unterwegs sind und abends der Nebel über der Moldau liegt. Vielleicht irgendwann…
Hier noch ein paar Impressionen aus Prag:







Du hast Recht – man kann eine Stadt für einen Tag gar nicht besichtigen. Prag ist eine außerordentlich schöne Stadt. Das sieht man auch auf den Bildern. Sie sind wunderschön! Vielen Dank!
Liebe Grüße,
Nicole