Donnerstags-Texte #6

Sinneseindrücke

VII

Dies ist ein Tagebuch und somit auch als ein solches zu lesen. Allerdings liegt es in gewisser Weise in codierter Form vor und Wahrheit vermischt sich mit Fiktion und wenn ich alles richtig gemacht habe, werde ich die realen Ereignisse beim späteren Lesen selbst nicht mehr erkennen können, zumal diese Ereignisse oft so klein und scheinbar unbedeutend waren. Wie schnell wird doch Fiktion zu innerer Wahrheit und ist dann nicht mehr eindeutig von real Erlebtem zu trennen. So formt sich die eigene Geschichte in Gedanken und im Gedächtnis und gerät im Laufe der Zeit außer Kontrolle, Lügen werden als Wahrheiten erkannt und sind dann keine Lügen mehr, weil sie die Persönlichkeit ebenso beeinflussen wie das real Erlebte.

VIII

Wenn Kreise sich schließen, lauert oftmals schon der Tod. Achte darauf, wenn du auf dein Leben blickst, achte auf die Kreisbahn, die sich langsam schließt. Nenne es Zufall, nenne es Vorsehung, nenne es wie du willst – aber gib acht darauf, wenn Kreise sich schließen. Manchmal ist es dann besser, in eine Spirale zu flüchten, auch wenn sie sich abwärts dreht. Hast du schon einmal bemerkt, wie ein Kreis in deinem Leben sich langsam schließt? Kennst du diesen Anflug des Verstehens, wenn die Dinge sich in ihre Bahn fügen und der weitere Verlauf beinahe schon rechnerisch bestimmbar wird? Knirschende Zahnräder nähern sich drehend, bis sie endlich ineinandergreifend sich gegenseitig bestimmen. Und nahe am Ende weißt du nicht mehr, hinter welchem Rad der Antrieb sitzt, weil die zerfahrene Maschine schon längst viel zu unübersichtlich geworden ist.

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