Joey Goebel – Vincent
In letzter Zeit habe ich ausschließlich Fachbücher (für die Uni, aber auch privat) gelesen, während sich neue Romane auf der Ecke meines Schreibtisches und im Noch-nicht-gelesen-Regal stapeln. Auf den Schreibtisch kommen natürlich die, die mir im Moment am wichtigsten scheinen. Dort landete auch Vincent von Joey Goebel. An einem langweiligen Unitag las ich die ersten 350 Seiten in einem Rutsch durch und am nächsten Tag dann noch die letzten 80.
Die Handlung
Harlan Eiffler, der als Platten-Rezensent gearbeitet hat und wegen seiner bösen Rezensionen – Abstrafungen des Mainstream – gefeuert wurde, wird von einem in die Jahre gekommenen Medientycoon (Foster Lipowitz) als Manager für das Wunderkind Vincent engagiert. Vincent, schriftstellerisch außerordentlich begabt, soll durch eine spezielle Behandlung zu einem erfolgreichen Autoren für Musik, Fernsehserien und Spielfilme werden, um so den anspruchslosen und verkommenen Mainstream mit Qualität zu unterwandern. Vincent ist so das Geheimprojekt von Fosters neuen Firma New Renaissance. Da nichts so sehr wie das Leiden einen Künstler zu seinen Werken inspiriert und anspornt, ist es von Vincents Kindheit an Harlans Aufgabe, den angehenden Künstler im Geheimen zu manipulieren und nicht zuzulassen, dass dieser Glücklich wird. Harlan verhindert unter anderem, dass Vincent Erfolg bei Frauen hat und tötet seinen Hund. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Die Handlung beginnt mit der Kindheit Vincents und erzählt chronologisch sein Leben unter dem Einfluss seines Managers Harlan, der gleichzeitig auch Freund und so etwas wie ein Vaterersatz für Vincent wird. Der Schreibstil ist locker, aber nicht zu seicht. Das Buch entwickelt schon auf den ersten Seiten einen Sog, der mich nicht dazu gebracht hat, das Buch aus den Händen zu legen. Einen kleinen Einbruch gibt es meiner Meinung nach im letzten Viertel oder Fünftel des Buchs. Einige der letzten Szenen wirken ziemlich konstruiert und steif, was allerdings dem Gesamteindruck nicht wesentlich schadet.
Fazit
Ich war sehr überrascht von diesem Roman. Er hat mich zu begeistern gewusst und wird mir mit seiner ganz eigenen Stimmung in Erinnerung bleiben. Wenn es gelingt, über eine gewisse immer wieder mal auftauchende Schwarz-Weiß-Malerei hinwegzusehen und die gegen Ende etwas steif geratenen Dialoge zu verzeihen, wird man an dieser medienkritischen Lektüre viel Spaß haben. Eine ausdrückliche Leseempfehlung meinerseits.
Daten
„Vincent“ von Joey Goebel
432 Seiten (Taschenbuch)
Erschienen 2005 im Diogenes Verlag
ISBN: 978 3 257 23647 7



Ich stöbere immer noch auf deinem Blog und entdecke vieles, was mich interessiert. So auch dieses Buch. Der Diogenes Verlag ist mein bevorzugter Verlag und steht für mich immer für gute Bücher.
Danke für den Tip
Susanne
@Susanne: es würde mich natürlich freuen, wenn Du hier nochmal schreibst, wenn Du das Buch gelesen hast…