Donnerstags-Texte #7
Zur Zeit bin ich ziemlich eingespannt in Uni und Job, weshalb es hier etwas ruhiger ist. Aber einen Donnerstags-Text soll es dennoch geben. Diesmal aus dem Jahr 2005, geschrieben nach der Lektüre des wunderbaren Buch der Unruhe
von Fernando Pessoa (Lesetipp!).
Dienstag, 22. November 2005
„Das Buch der Unruhe“ – es ist so seltsam, darin zu lesen, es schmerzt mich und setzt mich auf seltsame Art zurück, als wäre es für mich nun nicht mehr notwendig zu schreiben oder auch nur zu leben, weil mein Leben schon durch das eines anderen zu Papier gebracht wurde und ich einfach darauf verweisen könnte, statt in der Nacht diese Dinge in einem Krampf aufs Papier zu bringen, der mir täglich die Energie raubt, vor allem dann, wenn ich eben nicht schreibe, wenn sich die leeren Seiten vor mir auftürmen wie ein nicht zu überwindender Berg und mich verspotten und die sich in Spiegel transformieren, die meine eigene Leere widerspiegeln – und damit gelangt die leere Seite zur Perfektion – in der Darstellung meiner selbst. Und natürlich weiß ich, hoffe ich, dass da noch mehr ist, etwas, das mehr und spezifischer ich bin, ohne dass etwas davon schon in diesem Buch steht, das ein Fremder vor so langer Zeit geschrieben hat. Und wieder ist es auch die Gleichzeitigkeit, die mich so erstaunt: ich denke einen Gedanken, formuliere ihn aus, meistens dann, wenn ich eigentlich mit etwas anderem beschäftigt bin, und dann, wenn ich das Buch wieder zur Hand nehme, lese ich von genau diesem Gedanken und hoffe so sehr, kein Plagiat zu sein und versuche diese seltsamen Gedanken mit einer Gänsehaut zu überdecken, weil ich mal wieder auf einen Zufall gestoßen bin, der wie Schicksal erscheint. Beruhigend sind dann die Augenblicke, wenn ich die Unterschiede finde, wenn ich ihm auf seinen Gedankenweg nicht mehr folgen kann und dann daraus doch wieder den Mut schöpfe, mir die leeren Seiten vorzunehmen und mit dem zu füllen, von dem ich denke, es könnte mir in geschriebener Form noch selbst etwas erzählen, von dem ich noch nichts weiß und das mir helfen könnte, endlich diese Konservendose zu öffnen, in der ich mich vor was weiß ich wie langer Zeit versteckt habe. Vielleicht ist es manchmal so, dass man, wenn man sich Mauern baut, um sich abzusichern, sich zu schützen vor dem, was von aussen nach innen und von innen nach aussen will, vergisst, dass man doch in der Mitte sitzt, um die herum man diese Mauern baut und auch Tür und Fenster vergisst – warum sollte man sich also wundern, wenn man sich plötzlich in einer solchen Isolation wiederfindet, dass alles Licht nicht reicht, um eine Verbindung oder auch nur sich selbst zu sehen. Am Tag werden die Wände dann durchlässig, doch nur, um sich in der Nacht wieder zu schließen, in der man dann – in der ich dann in meinem eigenen Echo gefangen bin, das sich selbst karikiert. Leben wie in einer Taucherglocke, die zwar Sauerstoff und Wärme spendet, aber die Schönheit des Ozeans nicht zeigt. Und so ist dann noch etwas aus diesem wunderbaren Buch gewonnen – zumindest eine Inspiration…
